Die Autorin

Angelika Mechtel (1943 bis 2000)

Vita:

Angelika Mechtel wurde 1943 als Tochter der Schauspielerin Gisela Altendorf und des Journalisten Walter Mechtel in Dresden geboren. Nach der Flucht im Jahr 1945 wuchs sie in Westdeutschland auf. Von 1960 bis 1962 lebte sie in Würzburg, wo ihr Vater Walter Mechtel als stellvertretender Chefredakteur beim Fränkischen Volksblatt arbeitete. Sie besuchte das Gymnasium der Ursulinen, das sie schon 1962 vor dem Abitur verlassen musste, weil sie schwanger wurde und bekam ihre erste Tochter Anke. Sie heiratete Wolfhart Eilers, den jungen Verleger der Zeitschrift für Neuerscheinungen aus Dichtung und Graphik „Relief“, bei der sie verantwortlich mitarbeitete und in der erste Gedichte und Texte der erst 19-Jährigen erschienen.

Ab 1963 lebte sie in München. Erste Buchveröffentlichungen machten sie schnell zur vielbeachteten Schriftstellerin. Um die seit 1965 mit der Geburt der Tochter Silke vierköpfige Familie zu ernähren, arbeitete sie parallel viele Jahre lang in verschiedenen Jobs. Im Auftrag der Zeitschrift Merian kam sie 1972 zu einem Kurzbesuch nach Würzburg, der sich in einem Artikel im Merianheft vom Juli 1972 niederschlug. Verschlafen, katholisch, geprägt von „tödlichem Desinteresse“ empfand sie diese Stadt. 1973 erschien dann „Das gläserne Paradies“, ihre satirische Generalabrechnung nicht nur mit Würzburg, sondern insbesondere mit der Heile-Welt-Vorstellung des Bürgertums und dem Raubtierkapitalismus.

Neben etlichen Romanen und Erzählungsbänden, Lyrik und Hörspielen schrieb Angelika Mechtel seit 1975 auch Reportagen, Essays und zahlreiche Beiträge für Anthologien und Zeitschriften.

Außerdem war sie in vielerlei Hinsicht gesellschaftspolitisch aktiv und setzte sich für soziale Belange ein. Ihr Buch „Alte Schriftsteller“ lenkte die Aufmerksamkeit auf die mangelnde soziale Absicherung des Schriftstellerberufs, was letzten Endes die Gründung der VG (Verwertungsgemeinschaft) Wort zur Folge hatte. Sie engagierte sich im Verband deutscher Schriftsteller und ließ sich 1980 in das P.E.N.-Präsidium wählen. Für den internationalen P.E.N. war sie Beauftragte für das Writers-in-Prison-Commitee und wirkte daran mit, gefangene Schriftsteller frei zu bekommen.

Auch für die Rechte von Frauen setzte sich ein und beteiligte sich unter anderem 1971 in der Zeitschrift STERN an der Aktion „Wir haben abgetrieben“ gegen den § 218. Ihre im „Gläsernen Paradies“ geschilderte Szene über die Folgen einer illegalen Abtreibung durfte sie im Bayerischen Rundfunk, obwohl so verabredet, nicht lesen.

In den frühen 1980er Jahren übersiedelte sie ins Rheinland und lebte dort mit dem Schriftsteller Gerd E. Hoffmann, mit dem sie ihr gesellschaftspolitisches Engagement teilte. 1987 erkrankte Angelika Mechtel an Brustkrebs und setzte sich damit in ihrem Buch „Jeden Tag will ich leben“ auseinander. Nach anfänglichen Heilungserfolgen erlitt sie 1993 einen Rückfall und verstarb schließlich 56-jährig im Februar 2000. Ihre Asche wurde ihrem Wunsch gemäß in ihrer Lieblingsmeeresbucht ihrer späten zweiten Heimat Puerto Rico ausgestreut.

 

Wichtige Werke:
Hier eine kleine Auswahl aus Angelika Mechtels umfangreichen Werk.
Zu den lieferbaren Büchern können Sie über die ISBN verlinken.
Fragen Sie gerne die Buchhändler*innen Ihres Vertrauens nach antiquarischen Ausgaben der vergriffenen Bücher.

 

Romane, Erzählungen, Lyrik:

1963: Gegen Eis und Flut, Gedichte

1968: Die feinen Totengräber, Erzählungen

1971: Kaputte Spiele, Roman

1971: Hochhausgeschichten, Erzählungen

1972: Friß Vogel, Roman

1973: Das gläserne Paradies, Roman, Neuauflage 2024
ISBN 978-3-499-01628-8

1977: Wir sind arm, wir sind reich, Roman

1978: Wir in den Wohnsilos, Gedichte

1980: Die andere Hälfte der Welt oder Frühstücksgespräche mit Paula, Roman

1983: Gott und die Liedermacherin, Roman

1986: Das Mädchen und der Pinguin, Erzählungen

1997: Die Prinzipalin. Roman über Caroline Neuber

1999 Das kurze Leben des Don Roberto

 

Kinder- und Jugendbücher:

1975: Hallo, Vivi!

1978: Kitty Brombeere, Kitty und Kay

1987: Die Reise nach Tamerland

1991: Flucht ins fremde Paradies ISBN 978-3-12-675769-0

1992: Cold Turkey. Thema ist die Drogenproblematik bei Jugendlichen
ISBN 978-3-473-58017-0

 

Sachbücher:

1972: Alte Schriftsteller in der Bundesrepublik Deutschland. Gespräche und Dokumente

1975: Ein Plädoyer für uns. Frauen und Mütter von Strafgefangenen berichten; Gespräche und Dokumente

1990: Jeden Tag will ich leben – Ein Krebstagebuch

1993: Tropenzeit (mit Gerd E. Hoffmann). Eindrücke über Puerto Rico