Das Buch

Angelika Mechtel „Das gläserne Paradies“

Neuausgabe 2024 im Rowohlt Verlag mit einem Nachwort von Nicole Seifert
ISBN: 978-3-499-01628-8, 448 Seiten, 15 Euro

Bei einer lokalen Buchhandlung bestellen

„Diese Stadt ist eine saubere Stadt. Alles ist klar, klein und überschaubar, geordnet und katalogisiert. Alles ist noch im paradiesischen Zustand. Eine gläserne Kuppel über dem Talkessel, ein beinahe zärtliches Gehäuse über den Kirchturmspitzen dieser Stadt, das jede Bewegungsfreiheit und die Luft zum Atmen nimmt.“

So beschreibt Angelika Mechtel Würzburg als Schauplatz des 1973 veröffentlichten Romans „Das gläserne Paradies“. Das gläserne Paradies bezieht sich aber nicht nur auf Würzburg, sondern vor allem auf die Illusion einer heilen Welt, in die sich die Elterngeneration der fiktiven Familie Born verschanzt und die reale Welt um sich herum schönredet. In dieser realen Welt tragen die beiden Born-Söhne Friedrich und Michael ihre Konflikte aus. Friedrich ist ein wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmer, der mit rigoros-kapitalistischen Maßnahmen ohne Rücksicht auf soziale Belange Unternehmen saniert, im Privaten jedoch versagt. Michael, sein brüderlicher Gegenpart, ist sozial engagiert, aber beruflich erfolglos. Derweil versuchen die Eltern, die gutbürgerliche Fassade aufrecht zu erhalten und ignorieren ihre NS-Vergangenheit. Onkel Egon frönt seinem makabren Hobby: Er sammelt Schrumpfköpfe und scheint dafür auch vor kriminellen Methoden nicht zurückzuschrecken. Seine Frau, Tante Olga, lebt ihre Leidenschaft für ihren fragwürdigen literarischen Salon aus. Doch damit nicht genug: Tante Martha heißt jetzt Mater Ambrosia, trägt Nonnenhabit und engagiert sich unter den kritischen Augen ihres Ordens in der „Siedlung“ (wohl der damaligen Zellerau nachempfunden). Sie kümmert sich dort um perspektivlose Jugendliche und scheut nicht davor zurück, gegen den § 218 zu protestieren, Kondome zu verteilen und auch mal ein Päckchen Drogen zu schmuggeln…

Alle Würzburger*innen sind dazu eingeladen, sich mit der Lektüre des 2024 in der Buchreihe „Entdeckungen“ bei Rowohlt neu aufgelegten satirischen Romans mit ihrer Stadt und dem Denken und Verhalten ihrer Bürger*innen damals und heute auseinanderzusetzen.