Autorin und Werk

Elisabeth Dauthendey (1854-1943)
frühe Frauenrechtlerin, Lehrerin und Schriftstellerin

Elisabeth Dauthendey (1854-1943) wurde als Tochter des Hoffotografen Carl Albert Dauthendey und seiner Frau Anna Olschwang in St. Petersburg geboren. Sie ist die Halbschwester Max Dauthendeys (siehe Sonderveranstaltung 2017), der aus zweiter Ehe Carl Albert Dauthendeys mit Caroline Friedrich hervorging. Die Familie zog 1864 nach Würzburg. Bis 1898 lebte Elisabeth Dauthendey im Elternhaus, ab 1901 bis zu ihrem Tod in der eigenen Wohnung in der Semmelstr. 87, später umbenannt in Neutorstr. 11.

Um 1880 bestand sie das Lehrerinnenexamen und unterrichtete in Königsberg (Preußen) und London, kehrte aus gesundheitlichen Gründen jedoch ein Jahr später nach Würzburg zurück und arbeitete im Haushalt und Atelier des Vaters.

Ihre schriftstellerische Laufbahn begann 1894 mit Essays zur Frauenfrage und auch die ersten Romane stellen das Thema der Frauenfrage in den Mittelpunkt. Sie zählt zu den ganz frühen Frauenrechtlerinnen in Würzburg und war Mitbegründerin des Frauenbildungsvereins „Frauenheil“, der u.a. für die Zulassung von Frauen an den Universitäten kämpfte. Dieser Verein war Initiator für die Volkshochschule und das spätere Mozart-Gymnasium.

Seit 1906 war sie freie Schriftstellerin. Bis 1932 folgten etwa 20 Bücher (s.u.), Novellen und Märchen, die teils in großen Auflagen erschienen und weit verbreitet waren. Auch in den Novellen spielt das Selbstbewusstsein der Frau eine zentrale Rolle. Daneben macht sich aber auch immer wieder der Einfluss Nietzsches und Schopenhauers bemerkbar, dort wo die Figuren in feinfühliger psychologischer Klarheit dargestellt sind. Da die Märchen jedoch die größten Auflagen hatten, galt sie lange (teils bis heute) als reine Märchenschriftstellerin.

Nachdem die Nazis sie als sogenannte Halbjüdin ansahen, die evangelische Mutter stammte aus einer jüdischen Familie, und Hermann Zilcher 1936 den Text Dauthendeys in seinem opus magnum für die Nachtmusik beim Mozartfest durch einen anderen ersetzte, zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück, publizierte nicht mehr und geriet so in Vergessenheit..

Bis dahin hatte sie vermutlich Kontakt zu zahlreichen Schriftstellerkolleg:innen. Nachgewiesen ist der langjährige freundschaftliche Kontakt mit Michael Georg Conrad, dem Herausgeber der avantgardistischen Zeitschrift „Die Gesellschaft“. Auch ihre Beteiligung am „Aufruf zur Würde“ (1915), in dem sich 93 deutsche Schriftsteller:innen, u.a. Ricarda Huch, gegen den Willen von Thomas Mann, gegen die „ausländische Presse“ wandten, weist auf eine enge Vernetzung Dauthendeys. Die dokumentarische Lage ist sehr dünn, da am Tag nach dem 16. März 1945, zwei Jahre nach ihrem Tod, ihr gesamter Nachlass im Keller ihres Hauses verbrannte.

Obwohl es Romane im Werk von Elisabeth Dauthendey gibt, – und bisher hat Würzburg liest ein Buch immer nur Romane bzw. umfangreiche Erzählungen gelesen – wurde für das Jahr 2023 eine Werkauswahl zusammengestellt, bestehend aus Essays, Novellen, Gedichten und Märchen. Damit soll eine würzburger Schriftstellerin in ihrem ganzen Schaffen von einer breiten Öffentlichkeit wiederentdeckt werden, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine nicht unbedeutende Rolle im literarischen und gesellschaftlichen Leben Deutschlands spielte.

 

Die wichtigsten Werke
Hier verzeichnet sind mit Ausnahme der ersten beiden Titel und dem Essay „Die urnische Frage und die Frau“ ausschließlich monographische Werke. Zahlreiche Aufsätze, Gedichte, Novellen und Kurzprosa veröffentlichte Elisabeth Dauthendey in unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften. Nicht untersucht wurde, ob alle Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften später auch in ihre Bücher aufgenommen wurden. Zusammengestellt von Daniel Osthoff.

1894: Die Geschlechter. Essay, in: „Die Gesellschaft“, Hrsg. v. Michael Georg Conrad. Leipzig (Friedrich)

1895: Unweiblich. [unter dem Pseudonym Andrea Pauloff] Essay, in: „Die Gesellschaft“, Hrsg. v. Michael Georg Conrad. Leipzig (Friedrich)

1898: Im Lebensdrange. Roman. Minden i. W. (Bruns)

1900: Vom neuen Weibe und seiner Liebe. Ein Buch für reife Geister. Berlin und Leipzig (Schuster & Loeffler). – 15. Tsd.: Stuttgart u. Berlin (DVA) 1925

1901: Zweilebig. Roman. Bildschmuck von Anna Baisch. Berlin (Schuster & Loeffler)

Hunger. Novelle. Berlin (Schuster & Loeffler). – 2. Aufl. Nürnberg (Der Bund) 1923

1903: Im Schatten. Novelle. Berlin (Schuster & Loeffler)

1904: Die schöne Mauvaine. Ein Königswille. Zwei romantische Balladen. Leipzig, (Hermann Seemann)

1906: Die urnische Frage und die Frau, in: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualität. Hrsg. von Magnus Hirschfeld. 8. Jg. Leipzig (Max Spohr)

1907: (Übs.) Lambek, Carl: Zur Harmonie der Seele. Studien über Kultivierung des psychischen Lebens. Aus dem Dänischen. Einführung von Ellen Key. Jena (Diederichs)

Romantische Novellen. Leipzig (Thüringer Verlagsanstalt)

1908: Vivos voco. (später unter dem Titel: Von den Ufern des Lebens. Fortsetzung von „Vom neuen Weibe…). Leipzig (Thomas). – 2019: 5. Auflage

1912: Die Märchenwiese. Märchen, Geschichten und Gedichte, mit 4 farbigen Vollbildern und zahlreichen Textabbildungen von Luise von Geldern-Egmond. Braunschweig (Westermann). 1920 6

1914: Ein Abend und andere Novellen. Leipzig (Reclam)

1917: Von den Gärten der Erde. Berlin (Schuster & Loeffler). – 1925: 4. Auflage

1919: Die goldne Stunde des Siegs. Roman. Berlin (Schuster & Loeffler). – 1921 ² [= umgearb. Auflage von „Zweilebig (1901)]

Erotische Novellen. Berlin (Schuster & Loeffler). – 1923: 4. Auflage

1920: Märchen von heute. Braunschweig (Westermann)

Die heiligen Haine. Schätze die uns blieben trotz des schweren Krieges bittrer Not. Berlin  (Schuster & Loeffler).

1922: Akeleis Reise in den goldenen Schuhen und andere Märchen. München u. Kempten (Kösel & Pustet).- 2. Aufl. Wiesbaden (Verlag der Hessischen Lesebuch-Stiftung) 1954

1923: Erla und die sieben Herrenhöfe. Erzählungen. Nürnberg (Verlag „Der Bund“)

1924: Intime Plaudereien über künstlerisches Schaffen und Genießen. Nürnberg (Verlag „Der Bund“)

1932: Schlösser und Gärten am Main. Aufnahmen [64 Tafeln] von Paul Wolff. Bielefeld und Leipzig, (Velhagen & Klasing) – 1935 ²

1936: Das verkaufte Lachen: ein Märchenspiel in fünf Bildern nach einem Märchen von Elisabeth Dauthendey von Erna Büchner. Mühlhausen i. Thür. (Danner) [Thüringer Dorf- und Schulspiele 8]

1976: Märchen. Aus dem Nachlaß hrsg. von Michael Gebhardt. Gerabronn und Crailsheim (Hohenloher Verlagsanstalt)

2020: Die Teeprinzessin. Mit Illustrationen von Renate Osthoff. 30(2) S. Würzburg (Osthoff)

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2021: Elisabeths Märchenbuch. Märchen für Jung und Alt. Hrsg. v. Georg Hippeli. Dettelbach, (Röll)

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Als Print on Demand sind weitere Titel bestellbar:

Vivos voco. Von den Ufern des Lebens. Hofenberg, 2019. Hardcover, 200 S.

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Von den Gärten der Erde. Ein Buch der tiefen Stille. Hofenberg, 2021. Paperback, 72 S.

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Vertonungen von Werken Elisabeth Dauthendeys

1926: Die Teeprinzessin – Oper für die Jugend in 5 Akten. Dramatisiert von Bonifaz Rauch. Musik von Simon Breu. Uraufführung am 5. Dezember 1926 im Ferdinandeum Würzburg. – Handschriftliche Partitur im Bayerischer Staatsbibliothek München. [Signatur: Mus.ms. 9283 -1]. Wiederaufgeführt am 29. 11. 1954 vom Würzburger Sängerverein

1928: An Mozart [Mozarthymne]. Vertont von Hermann Zilcher als Schlusschor für seine Phantasie „An Mozart“ für Tanz, 3 Orchester und gemischten Chor vertont und bei den Mozartfesten 1928, 1929 und 1933 (möglicherweise bis 1935) zur Nachtmusik aufgeführt. Danach Austausch des Textes wegen der jüdischen Herkunft Elisabeth Dauthendeys.